Die sogenannte Witching Hour beim Baby (auch abendliche Schreistunde genannt) beschreibt eine Entwicklungsphase, in der ansonsten zufriedene Säuglinge verlässlich jeden Abend zwischen 17:00 und 23:00 Uhr untröstlich weinen und quengeln. Kinderärzte und Entwicklungspsychologen betonen, dass es sich dabei um eine vollkommen normale Reifungsphase des Nervensystems handelt.

Für frischgebackene Eltern ist dieses abendliche Weinen oft zermürbend: Das Baby ist satt, gewickelt und warm angezogen, weint aber dennoch unaufhörlich. Das Verständnis der biologischen Ursachen – und das Wissen, dass dieser Spuk um die 6. Lebenswoche seinen Höhepunkt erreicht und mit 3 bis 4 Monaten von selbst verschwindet – entlastet Eltern enorm.

Was verursacht die Witching Hour am Abend?

Die abendliche Schreiphase entsteht durch eine Kombination aus Reizüberflutung, kumulierter Übermüdung und zirkadianen Hormonumstellungen. Gegen 17:00 Uhr ist das sensorische Fass des Neugeborenen voll, da hemmende Nervenbahnen im Gehirn noch nicht ausgereift sind.

Zudem führen zu kurze Tagschläfchen zu einem Anstieg von Cortisol und Adrenalin. Das Baby ist übermüdet, findet aber aus eigener Kraft nicht in den Schlaf. Unterstützende Methoden wie das Tragen im Tragetuch oder ein warmes Bad helfen dabei, das Nervensystem sanft herunterzufahren.

Clusterfeeding: Hunger oder Nähebedürfnis?

Wenn das Baby abends fast ununterbrochen an die Brust oder die Flasche möchte, spricht man von Clusterfeeding. Dies ist ein instinktives Verhalten, um sich vor der Nacht mit fett- und kalorienreicher Milch zu versorgen und durch das Saugen stresslindernde Endorphine auszuschütten.

Praktische Tipps zur Beruhigung am Abend

  • Tragetuch oder Tragehilfe: Der aufrechte Körperkontakt und die Schrittbewegungen regulieren den Herzschlag des Säuglings.
  • Gedimmtes Licht und Ruhe: Schalten Sie Fernseher und helles Deckenlicht frühzeitig aus.
  • Weißes Rauschen: Monotone Frequenzen wie Meeresrauschen oder Föhngeräusche imitieren die Geräuschkulisse im Mutterleib.
  • Frische Luft: Ein kurzer Schritt auf den Balkon oder in den Garten unterbricht die Schlaflosigkeits- und Weinschleife verblüffend schnell.

Selbstfürsorge: Was tun bei eigener Überlastung?

Stundenlanges Weinen löst bei Eltern messbare körperliche Stressreaktionen aus. Spüren Sie Ohnmacht oder Wut in sich aufsteigen, legen Sie das Baby sicher auf den Rücken ins leere Gitterbett und verlassen Sie für fünf Minuten den Raum.

Mit der Baboo App behalten Sie Ihr Baby per Video und Ton aus einem Nachbarraum sicher im Blick, während Sie neue Energie tanken. So gewährleisten Sie Sicherheit, ohne die Nerven zu überstrapazieren.

Wann hört die Witching Hour beim Baby auf?
Bei den meisten Säuglingen klingt die abendliche Schreiphase zwischen der 12. und 14. Lebenswoche deutlich ab, sobald sich der Schlaf-Wach-Rhythmus stabilisiert.
Hat mein Baby Bauchweh oder Koliken?
Blähungen können die Unruhe verstärken, sind aber selten die alleinige Ursache. Zieht das Baby die Beine an und ballt die Fäuste, ist dies meist eine körperliche Reaktion auf allgemeinen Stress und Überreizung.
Sollte man das Baby abends einfach schreien lassen?
Nein. Neugeborene können sich neurologisch noch nicht selbst regulieren. Sie benötigen feinfühlige Begleitung durch die Eltern, um zur Ruhe zu kommen.

Quellen & Studien

  1. Period of PURPLE Crying Information – National Center on Shaken Baby Syndrome
  2. Schreiverhalten bei Säuglingen – American Academy of Pediatrics
  3. Weinen und Unruhe beim Neugeborenen – NHS